Als mit der Ausbildung der Kriegstechnik im Hochmittelalter der reitende Kämpfer durch Helm und Rüstung ganz verhüllt wurde und in den Kreuzzügen die Ansammlung gewaltiger Heerscharen den Überblick immer schwieriger machte, ergab sich der Zwang zur Schaffung weithin sichtbarer Abzeichen.  Diese wurden insbesondere auf Schild und Helm, später auch auf Waffenröcken und Pferdedecken angebracht. Vom zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts an traten die ersten Wappen neben den älteren Feldzeichen nahezu gleichzeitig in ganz Mitteleuropa auf.

 

Ihrem kriegerischen Ursprung und Zweck gemäß waren die Wappen zunächst Reservat des hohen Adels, doch schon im 12. Jahrhundert begann sich der Wappengebrauch weiter auszudehnen. Im 15. Jahrhundert gesellte sich zum ursprünglich kriegerischen Zweck des Wappens der Gebrauch als Schmuck- und Rechtssymbol hinzu. In den verschiedensten Werken der bildenden Künste, Münzen und namentlich in Siegeln wurden Wappen verwendet. Gemeindewappen der Gemeinde VöhlEine so große Vergangenheit hat das Vöhler Wappen natürlich nicht, doch seine Entstehung ist nicht gerade alltäglich. Im 19. Jahrhundert traf man nur vereinzelt Landgemeinden an, die ein eigenes Wappen und Siegel führten. Auch in Vöhl verwendete man den hessisch-darmstädtischen Löwen im Siegel. Das änderte sich auch nicht, als Vöhl 1821 Hauptort des „Kreises Vöhl“ wurde.


Im November 1858 setzte sich der Vöhler Bürgermeister Wilhelm Prinz mit dem Pfarrer Lehr und dem Lehrer Jost Henkel zusammen, um den Entwurf eines Wappens zu beraten. Als Grundlage für die Besprechung diente ein Gemälde von unbekannter Hand aus der Sammlung des Apothekers Heinzerling, das Vöhl im Jahre 1827 darstellte. Aufgrund der reichen historischen Vergangenheit Vöhls kamen die drei Herren zu dem Beschluss, dass als Wahrzeichen Vöhls nur das 1845 abgebrochene landgräfliche Schloss in Frage komme. Lehrer Jost Henkel erhielt den ehrenvollen Auftrag, eine Zeichnung für den dem Großherzoglich hessischen Innenministerium vorzulegenden Wappenentwurf anzufertigen. Dieser Entwurf zeigte in einem silbernen Feld ein Schloss in rötlicher Naturfarbe auf grünen Boden.

Am 30. November 1858 wurde der Kreisstadt Vöhl das erste Wappen verliehen. Anlass war die am 26. Dezember bevorstehende Feier der silbernen Hochzeit des Großherzogs von Hessen, Ludwig III., und der Großherzogin Mathilde, geb. Prinzessin von Bayern.

Mit Auflösung des Amtsbezirks Vöhl durch die preußische Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 verlor Vöhl nicht nur seine Stadtrechte, sondern auch das Recht, ein eigenes Wappen und Siegel zu führen. In den folgenden vier Jahrzehenten wurden dann die Siegel und Stempel mit dem preußischen Adler verwendet.

Die Wappenfrage tauchte erst mit dem Bau des Henkel-Hauses wieder auf, zumal man sich dunkel erinnerte, dass der Vater des Kommerzienrates Fritz Henkel maßgelblich am Entwurf des ersten Vöhler Wappens beteiligt gewesen war. Auf Anfrage empfahl das Hessische Staatsarchiv Darmstadt dem damaligen Bürgermeister Carl Heinze, das Vöhler Wappen, das künstlerisch in keiner Weise den heutigen Anforderungen der Heraldik gerecht werde und überdies in Siegelform nicht an einem Gebäude angebracht werden könne, von einer für das Archiv arbeitenden Künstlerin neu zeichnen zu lassen. Nach dieser Zeichnung wurde ein Wappen an der nordwestlichen Giebelfront des Henkel-Hauses angebracht, wo es rund dreißig Jahre zu sehen war. Als Gemeindewappen wurde diese Version aber nicht verwendet.

Eine Verfügung des Jahres 1935 besagte, dass in den Gemeindestempeln der preußischen Adler nicht mehr geführt werden dürfe. Er wurde durch den Reichsadler abgelöst, der dann in den nächsten zwei Jahren das Ortssiegel zierte.

Dann stellte Bürgermeister Arnold Claas beim Landrat des Kreises Frankenberg den Antrag, dass die politische Gemeinde Vöhl wieder das im Jahre 1858 der Kreisstadt Vöhl verliehene Wappen, der heraldischen Gepflogenheit entsprechend, im Dienstsiegel führen dürfe. Der Landrat bat das zuständige Preußische Staatsarchiv von Marburg um ein Gutachten. Diese Dienststelle erbat von Professor Otto Hupp in München-Schleißheim, dem kompetentesten Heraldiker jener Zeit, einen (dritten) Entwurf für ein Wappen der Landgemeinde Vöhl, des ehemaligen Hauptortes der Herrschaft Itter. Dieses neue Wappen, oder richtiger, dieses neue Siegelbild beschreiben wir folgendermaßen: Das Siegelbild zeigt in einem weißen Feld auf steilen grünen Hügel eine Burg aus rotem Mauerwerk mit blauen Dächern, vorn ein niedriger Rundturm, durch einen Gang mit der Giebelseite eines höheren Herrenhauses verbunden, zu dessen Rundportal an der Vorderseite eine Freitreppe emporführt, während im Obergeschoss die rundbogige Fensterreihe des Rittersaales zu erkennen ist. Zu Füßen des Gebäudes steht am Hügel das Wappen der Edelherren von Itter, in blauen Feld ein gelber Löwe mit roter Bewehrung (Klauen und Zunge).

Nach einer Berichtigung durch den Marburger Heraldiker Dr. H. J. von Brockhusen im Jahre 1950 ist der im blauen Feld aufrecht stehende ittersche Löwe in Weiß und Rot zu teilen und mit gelber Krone und Bewehrung zu versehen. Später wurde dann der Löwe ungekrönt, weiß-gelb geteilt, gelb mit weißem Kopf, ganz weiß und dann wieder ganz gelb dargestellt. Die erste Version dieses Wappens wurde schließlich am 6. Dezember 1937 vom Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau, Philipp Prinz von Hessen, der Gemeinde Vöhl verliehen.

Bis Ende 1973 führte die Gemeinde Vöhl das ihr 1937 verliehene Wappen und Siegel. Nach der Bildung der Großgemeinde Vöhl durch die Gebietsreform im Jahr 1974 diente zunächst wieder der hessische Löwe als Amtssiegel. Die Kerngemeinde besaß als einzige ein Wappen, das aber die übrigen Ortsteile nicht ohne weiteres übernehmen wollten, denn im neuen Wappen sollten auch die Merkmale ihrer Orte berücksichtigt werden. So bat man das Staatsarchiv Marburg um kostenlose Vorschläge für eine neue Gemeindeflagge und ein neues Wappen. Im November 1976 schlug das Staatsarchiv Marburg der Gemeinde die Übernahme des Wappens der Herrschaft Itter vor. Dieses Wappen war mit dem bisherigen Vöhler Wappen fast identisch. Das Vöhler Schloss und der Ittersche Löwe sollten nun das Wappen der Großgemeinde zieren. Ein Fraktionssprecher bedauerte, dass der Südteil der Großgemeinde nicht berücksichtigt worden war. Er empfahl, das Schloss nebst Löwen etwas mehr vom Wappenrand zu lösen und den Löwen, wie auf früheren Wappen, mit einer Krone zu ergänzen. Dieser Vorschlag wurde bei zehn Neinstimmen und einer Enthaltung von der Gemeindevertretung angenommen.

Am 17. August 1977 wurde nunmehr der Gemeinde Vöhl durch den hessischen Innenminister in Wiesbaden das Führen des  Wappens genehmigt.

"Das Wappen der Gemeinde Vöhl zeigt im silbernen Schild auf grünem Grund eine rote, blau bedachte Burg mit heraldisch rechts gestelltem Turm, davor im blauen Schild einen golden gekrönten und rot gezungten, von Silber und Rot geteilten Löwen."

 

 

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